Sehenswürdigkeiten, Restaurants, Museen und vielleicht noch der schönste Aussichtspunkt stehen bei einem Städtetrip meist schon vor der Abreise fest. Die öffentliche Toilette eher selten. Bis sie plötzlich zum wichtigsten Ziel des Tages wird. Das WC-Ranking nimmt Deutschlands öffentliche Toiletten bereits seit mehreren Jahren regelmäßig unter die Lupe. Dabei wechselte die Spitze immer wieder: München dominierte mehrere Ausgaben, 2025 setzte sich Berlin durch. 2026 übernimmt nun erstmals Heidelberg den ersten Platz. Auch für Heidelberg selbst ist das ein Aufstieg. In den vergangenen Jahren gehörte die Stadt bereits regelmäßig zur Spitzengruppe, für den Sieg reichte es bislang jedoch nicht.
Drei Kriterien entscheiden über den Toiletten Thron
Untersucht wurden zehn beliebte deutsche Städtereiseziele. Die Auswahl wurde mithilfe des Google-Suchvolumens zu Suchbegriffen rund um „Städtereise“ und „Kurzurlaub“ konkretisiert. Bewertet werden Qualität, Quantität und Barrierefreiheit mit jeweils maximal zehn Punkten. Als Datengrundlage dienten öffentliche WC-Einträge bei Google Maps sowie kommunale Toilettenlisten, Stadtportale und weitere offizielle Datensätze. Für die Qualität fließen die Google Bewertungen der untersuchten Toiletten ein. Dabei wird auch berücksichtigt, wie viele Rezensionen ein Standort hat. Bei der Quantität zählt das WC Angebot im Verhältnis zur Stadtfläche. 2026 werden auch verifizierte Standorte der Aktion „Nette Toilette“ berücksichtigt. Bei der Barrierefreiheit zählen ausschließlich eindeutig bestätigte Angaben.
Heidelberg: Vom Verfolger zum Sieger
25 Punkte und Platz eins: Heidelberg setzt sich 2026 erstmals an die Spitze. Besonders stark ist die Stadt bei Qualität und WC Angebot. Für das Ranking wurden insgesamt 77 öffentlich nutzbare Toilettenangebote berücksichtigt. Dazu gehören 46 reguläre WC-Standorte sowie 31 verifizierte „Nette Toiletten“. Dass Heidelberg bei der Quantität vor deutlich größeren Städten wie München liegt, bedeutet dabei nicht, dass es dort absolut mehr Toiletten gibt. Entscheidend ist das WC Angebot im Verhältnis zur Stadtfläche. Durch die vergleichsweise kompakte Stadtfläche und die zusätzlichen „Netten Toiletten“ erreicht Heidelberg hier die höchste WC-Dichte der untersuchten Städte. Für die Quantität gibt es die volle Punktzahl, auch die Qualität schneidet sehr gut ab. Bei der Barrierefreiheit besteht dagegen noch Luft nach oben. Nach mehreren Jahren in der Spitzengruppe reicht es für Heidelberg damit erstmals zum Gesamtsieg.
Berlin gibt die Krone ab Berlin verliert seinen Vorjahressieg und landet mit 22 Punkten auf Platz zwei. Mit insgesamt rund 438 öffentlichen Toiletten verfügt die Hauptstadt über eines der größten Angebote im Vergleich. Besonders stark ist Berlin bei Quantität und Barrierefreiheit. Gebremst wird die Hauptstadt durch die Qualität. Die Bewertungen der einzelnen Anlagen fallen teilweise deutlich auseinander. Trotz des verlorenen Spitzenplatzes bleibt Berlin damit auch 2026 ganz vorne dabei.
München bleibt ein Dauerbrenner München gehört seit Jahren zu den stärksten Städten im WC-Ranking. Nach mehreren Siegen und Platz zwei im Vorjahr erreicht die Stadt 2026 mit 19 Punkten Rang drei. Insgesamt stehen stadtweit rund 166 öffentliche Toiletten zur Verfügung. Bei Qualität und Quantität schneidet München weiterhin solide ab. Schwächer fällt die Barrierefreiheit aus. Damit rutscht München gegenüber dem Vorjahr zwar um einen Platz ab, behauptet sich aber erneut in der Top drei.
Potsdam punktet mit Barrierefreiheit
Potsdam landet mit 18 Punkten auf Platz vier. Die große Stärke ist eindeutig die Barrierefreiheit. Hier erreicht keine andere untersuchte Stadt einen besseren Wert. Insgesamt gibt es rund 92 öffentliche Toilettenangebote. Bei Qualität und Quantität liegt Potsdam dagegen hinter den ersten drei Städten.
Hamburg und Köln landen im Mittelfeld Hamburg erreicht mit 15 Punkten Platz fünf, Köln folgt mit 14 Punkten auf Rang sechs. Hamburg verfügt über rund 140 öffentliche Toilettenangebote und schneidet besonders bei der Barrierefreiheit gut ab. Bei der Qualität bleibt dagegen Luft nach oben. Köln kommt auf rund 105 Toilettenangebote. Die Domstadt punktet stärker bei der Qualität, verliert aber bei der Barrierefreiheit. Viele Toiletten allein reichen also in beiden Städten nicht für einen Platz ganz vorne.
Cochem und Dresden: Gleiche Punktzahl, andere Stärken Cochem und Dresden kommen auf jeweils 13 Punkte. Cochem verfügt zwar nur über rund elf öffentliche Toilettenangebote, profitiert aber von seiner kleinen Stadtfläche. Im Verhältnis zur Größe der Stadt ist das Angebot dadurch vergleichsweise gut. Für die Qualität erhält Cochem einen neutralen Wert, da nicht genügend belastbare Google Bewertungen vorliegen. Dresden schneidet dagegen besonders bei der Qualität gut ab. Bei der Quantität verliert die Stadt Punkte, weil die Zahl der berücksichtigten Toiletten im Verhältnis zur Stadtfläche vergleichsweise gering ist. So landen beide Städte trotz völlig unterschiedlicher Stärken bei derselben Gesamtpunktzahl.
Bremen profitiert von den „Netten Toiletten“
Bremen erreicht elf Punkte und Platz neun. Besonders auffällig ist das große Netz der „Netten Toiletten“. 92 Standorte gehören dazu. Insgesamt gibt es nach der aktuellen Recherche rund 137 öffentlich nutzbare Toilettenangebote. Das verbessert vor allem die Quantität. Bei der Barrierefreiheit sieht es anders aus: Nur 16 der 92 „Netten Toiletten“ sind als barrierefrei ausgewiesen. Bremen zeigt damit besonders deutlich, dass ein großes Angebot nicht automatisch bedeutet, dass es für alle gleichermaßen zugänglich ist.
Leipzig bleibt Schlusslicht Mit zehn Punkten landet Leipzig auf Rang zehn. Bereits 2025 belegte die Stadt den letzten Platz im WC-Ranking und bleibt damit auch in diesem Jahr Schlusslicht. Insgesamt gibt es rund 20 öffentliche Toilettenangebote. Positiv fällt die Barrierefreiheit auf. Das größte Problem bleibt die Qualität. Mehrere der untersuchten Standorte kommen bei Google auf Bewertungen von weniger als zwei Sternen. Besonders ins Gewicht fallen dabei stärker frequentierte Anlagen mit vielen Rezensionen: Die Loo&Me-Toilette am Leipziger Hauptbahnhof auf der Ostseite kommt beispielsweise auf rund 1,7 Sterne bei mehr als 500 Bewertungen, die Anlage am Augustusplatz auf rund 1,8 Sterne. Da bei der Qualitätswertung auch die Anzahl der Rezensionen berücksichtigt wird, können einzelne gut bewertete Toiletten diese schwachen Werte nicht ausgleichen.
Platz | Stadt | Qualität | Quantität | Barrierefreiheit | Gesamtpunkte |
|---|---|---|---|---|---|
1 | Heidelberg | 9 | 10 | 6 | 25 |
2 | Berlin | 4 | 9 | 9 | 22 |
3 | München | 7 | 7 | 5 | 19 |
4 | Potsdam | 5 | 3 | 10 | 18 |
5 | Hamburg | 3 | 4 | 8 | 15 |
6 | Köln | 6 | 5 | 3 | 14 |
7 | Cochem | 5 | 6 | 2 | 13 |
7 | Dresden | 8 | 1 | 4 | 13 |
9 | Bremen | 2 | 8 | 1 | 11 |
10 | Leipzig | 1 | 2 | 7 | 10 |
Der Toiletten-Thron bleibt in Bewegung
Das Ranking zeigt auch 2026, wie unterschiedlich die Städte aufgestellt sind. Während Heidelberg erstmals an die Spitze rückt, bleibt Berlin trotz des verlorenen Sieges stark und München hält sich seit Jahren weit vorne. Gleichzeitig können einzelne Stärken wie Barrierefreiheit oder ein großes zusätzliches WC Angebot die Platzierung deutlich beeinflussen. Der Porzellan Thron bleibt also alles andere als fest verschraubt.
Das Ranking bietet Touristen eine hilfreiche Orientierung, um bei ihrer Städtereise gut vorbereitet zu sein – besonders, wenn es um den nächsten Toilettenstopp geht.
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